Ein opulenter Titel prangt auf Dr. Strassmans erster Publikation und eigentlich verdientermaßen: Ist er schließlich jener Pionier, dem es um die letzte Jahrtausendwende gelungen ist, in den USA mit finanziellen Mitteln von DEA und NIDA, den drahtziehenden Kräften im War On Drugs, Forschungen an DMT durchzuführen. Jenem DMT, das in den überwiegend im amazonischen Schamanismus zubereiteten Ayahuasca-Gebräuen enthalten ist. Und auch in fast allen Lebewesen.
DMT – Molekül des Bewusstseins von Rick Strassman
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Klinische Forschung über die Verabreichung von illegalen Rauschgiften an lebende, gesunde Freiwillige war in den vergangenen 50 Jahren praktisch undenkbar. So gesehen hat Rick Strassman eine Zeitenwende eingeläutet. Strassman ist allerdings klinischer Psychiater, entsprechend verbildet und verwurzelt in der hilflosen Empirie der westlichen Wissenschaftlerei. Dies verursacht den unheimlich langatmigen ersten Teil dieses Buchs, worin der Forscher erklärt, wie steinig der Weg zu seiner Studie war und welche Hürden behördlicher und wissenschaftlich-institutioneller Natur er wie nehmen musste, um endlich in die Lage zu kommen, seinen freiwilligen Probanden reines, molekulares N,N-DMT intravenös zu verabreichen.
Dann aber geschah es. In einem halbherzig behübschten Krankenhaus-Umfeld spritze Strassman seinen Freiwilligen die Droge und zeichnete Live-Beschreibungen ihrer Erfahrungen mit dem DMT auf. Er fand nützlicherweise präzise wirksame Dosierungen. Aber wirklich spektakulär sind die Beschreibungen der Studienteilnehmer dessen, was sie durch das Einwirken der Droge erlebten. Die Visionen und mystischen Erfahrungen waren nicht nur monumental im Empfinden der meisten Teilnehmer und hinterließen unvergessliche psychische Prägungen, die durchwegs positiv bewertet wurden. Sie waren über weite Strecken auch verblüffend ähnlich, wenn nicht in vielen Details sogar deckungsgleich. Um nur ein Beispiel zu nennen, ohne zu viel zu verraten: In der Phase des Anflutens der Droge im Gehirn begegneten die Probanden häufig clownartigen Wesen, die wenig komödiantisches an sich hatten. Spekulationen aus dem Nephilim-Begriffsspektrum klammert Strassman aus.
Das vorliegende Buch ist äußerst nützlich als Lektüre zur Vorbereitung auf die allererste Ayahuasca-Erfahrung eines westlich geprägten Lebens. Ein tieferes Verständnis für gemachte Erfahrungen mit DMT hält es sicherlich auch bereit. Und es beschreibt das unweigerliche Eintreten eines westlichen Forschers in metaphysische Gefilde aufgrund einer erdrückenden Beweislast.
Natürliches Vorkommen von DMT ist in der überwiegenden Mehrheit der Lebewesen nachweisbar, in zahllosen Pflanzen, Tieren und auch im Menschen. Das ist zweifelsfrei mysteriös. Ob Strassman richtig liegt mit seinen Schlussfolgerungen über die Rolle des DMT in der Manifestation von Bewusstsein innerhalb eines menschlichen Körpers? Was hat es mit der Abtrennung der Zirbeldrüse vom Gaumengewebe des Ungeborenen am 49. Tag der Schwangerschaft auf sich? Der Zeitpunkt der Reinkarnation, wirklich? So weitgreifende Fragen wirft Strassman entlang seiner Ergebnisse auf. Seine Antworten und Lösungsvorschläge sind nicht minder aufregend.
DMT – Das Molekül des Bewusstseins ist zu den Schlüssel-Werken für die psychedelische Renaissance im beginnenden Dritten Jahrtausend zu rechnen. Es ist nicht perfekt und mag ein Kinderschuh in der Ayahuasca-Forschung sein. Aber zumindest die zweite Hälfte ist unheimlich spannend und lesenswert.

