Die Mahijima Nikkaya, die Sammlung der Lehrreden des letzten lebenden Buddhas Siddhatta Gottama, sind eine in der Weltliteratur beispiellose Lektüre, aber nicht auf die leichte Schulter zu nehmen.
Die älteste schriftliche Überlieferung der Lehren des letzten lebenden Buddha Siddhatta Gautama Sakyamuni ist eine überaus repetitive und damit anstrengende und fordernde Lektüre, die sich sehr weitgehend mit seiner Technik der Meditation sowie den Bedingungen und der Praxis seines edlen achtfachen Pfades zur Befreiung beschäftigt. Aufschlussreich ist sie vor allem für jene, die sich den alten Quellen nähern möchte, um eigene und gelernte Interpretationen der Lehre Buddhas abzuklären und zu vertiefen.
Der letzte Buddha lebte vor etwa 2500 Jahren und seine Lehren wurden in den ersten Jahrhunderten nach seinem Tod ausschließlich mündlich innerhalb von Mönchschulen und entlegenen Klöstern erhalten und weitergegeben. Um die 300 vor Christus spielte der indische Herrscher Ashoka, ein von Buddhas Meditationstechnik geläuterter Sadist, eine gewichtige Rolle in der Verbreitung der Lehre. Zahlreiche in Steine und Stelen gemeisselte Texte und Fragmente sprechen dafür. Wann schließlich die Schriftform ihre in der Nikkaya vorliegenden Manifestation erfuhr, ist nicht exakt zu datieren.
Die mindestens 2000 Jahre alten Sutren, allesamt in Versform verfasst in der Sprache Pali, einer Formform von Sanskrit, können im Grunde nur als Gesänge gedeutet werden. Ihre Reimform und die sich ständig wiederholenden Textpassagen lassen keinen anderen Schluss zu. Sie eignen sich in dieser Form am besten zum Auswendiglernen. Tagein, tagaus monoton dahingesungene Wiederholungen der Sutren in Mönchsschulen waren wohl die naheliegendste Technik der Erhaltung und Überlieferung.
Dass die Texte überhaupt in irgendeiner Form erhalten sind, liegt sicherlich im immensen Erfolg begründet, den die Lehre des Buddha schon zu seinen Lebzeiten hatte. Hunderttausende wandten sich damals in Nordindien der Technik der Vipassana-Meditation zu und praktizierten sie vielfach unter persönlicher Anleitung des Sakyamuni, um die versprochene Herrschaft über den eigenen Geist zu erlangen und die Befreiung vom Leid zu üben. Es entstand daraus die heutige Weltreligion des Buddhismus, angesichts derer sich der Lehrer wohl im Grab umdrehen würde. Aber in einigen wenigen entlegenen Klöstern Asiens schafften die Sutren, wohl in den schützenden Händen der überzeugtesten Schüler und Fackelträger des Buddha, das Überleben in ursprünglicher Form – bis in unsere modernen Bibliotheken.
Freilich sind im Palikanon sämtliche Aspekte der Lehre Buddhas enthalten. Die Sutren sind aber aufgrund ihres Alters so exotisch, dass sie sich für den vollkommenen Laien keinesfalls als Einstiegslektüre eignen. Für einen ersten Kontakt mit der Lehre des Sakyamuni ist sicherlich ein Grundkurs in Vipassana-Meditation (https://austria.dhamma.org) der geeignetste Einstieg. Hat man einmal die grundsätzliche Praxis der Meditation erlernt und ihre Wirkung persönlich erfahren, erschließen sich dann auch die zuvor wohl eher verwirrenden Sutren deutlich leichter.
Der Palikanon ist kein Standardwerk, das in jede private Bibliothek gehört. Er ist auch keinesfalls vergleichbar mit anderen antiken religiösen Schriften. Es handelt sich im Grunde fast nur um Trainings-Anweisungen. Die Lektüre selbst aber kann eine erstaunlich meditative Wirkung haben. Und wer den Weg des Buddha ernsthaft zu gehen gedenkt, wird davon sicherlich in vielerlei Hinsicht profitieren.


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