Vor einem Vierteljahrhundert scheint Jeremy Narby dank Ayahuasca durchschaut zu haben, warum sich auf der Suche nach der Ursache von Existenz die Katze immer wieder in den Schwanz beißt: Die Katze ist eine Schlange. Daraus erklärt sich absolut alles – wenn man bereit ist, es als Leser zu erschauen.
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Das Symbol der Schlange ist innerhalb der Menschheitsgeschichte allzeit immanent. Die Überlieferungen reichen von der Ouroboros aus der altägyptischen und antiken griechischen Mythologie über die zahllosen Abbildungen und Geschichten von der gefiederten Schlange Quetzalcoatl aus den versunkenen Kulturen Mittel- und Südamerikas bis zur Regenbogenschlange, der Welterschafferin am Anfang der Traumzeit der australischen Aborigines.
Wahrscheinlich noch viel älter, zumindest aus dem alten Sumer stammend, wenn nicht (nach Sitchin) hunderttausende Jahre älter, ist die Geschichte von Enki. Als einer der beiden Söhne des Urgottes An, der sich einst mit seinem Bruder Enlil die Herrschaft über die Erde teilte, erschuf er die Gattung Mensch als Sklavenrasse für die Schürfung von Gold und Edelmetallen. Er war wohl Genetiker, kreuzte den eigenen Genpool, genannt Annunaki, mit den kognitiv begabten Menschenaffen Afrikas und brachte mit Hilfe gebärbereiter Annunaki-Mütter den Adamu in die Welt, den ersten Menschen aller Zeiten. Oder so gehen die Räubergeschichten. Jedenfalls scheint der Stab des Äskulap, also das Erkennungszeichen technisch-mechanistischer Ärzteschaft bis in die heutige Allopathie, auf das Wirken des Forschergötzen Enki zu deuten.
Übrigens weist auch vieles darauf hin, dass die Schlange aus der biblischen Genesis tatsächlich eine Interpretation von Enki ist – und auf deutlich ältere, sumerisch-akkadisch-babylonische Mythen beruht: Enki als der Wissenschaftler, der als Mittel der Beherrschung nicht wie sein Bruder Enlil auf stumpfen, unwissenden Gehorsam setzte, sondern auf Initiation und Information. Er führt Adam und Eva zur Selbsterkenntnis und damit heraus aus dem Paradies der glückseligen, selbstvergessenen Unwissenheit. So wird er zu Luzifer, dem Träger und Bringer des Lichts.
Über all diesen Mythen thront aber als kleinster gemeinsamer Nenner und als mächtigste Verkörperung schöpferischer Kraft etwas überaus winziges. Es hat die Form einer Doppelhelix, einer zweifachen, um sich selbst geschlungenen Schlange. Es ist die Desribonukleinsäure, kurz DNS.
Jeremy Narby, ein kanadischer Anthropologe, publizierte die vorliegende Abhandlung Ende der 1990er Jahre, nachdem er sich jahrelang in die Ayahuascakulte des Amazonas vertieft und große Mengen an Eigenerfahrung mit dem mystischen Trank gesammelt hatte. Die während Ayahuasca-Erfahrungen quer durch die Kulturen berichteten Visionen von Schlangen, bzw. der einen, großen Urschlange, führt er gekonnt zusammen mit den modernen Erkenntnissen der Genetik und mit all den Schlangenmythen, von denen wir eingangs einige kurz betrachtet haben. Am Ende führt alles wieder zurück zum Anfang, in die nächste Runde. Und Jeremy stellt fest, dass Wissen aus der Schlange geboren wird.
Dem suchenden Leser, der ohne Starre und Überzeugung an diese Lektüre geht, lässt sie ein gleißendes Licht aufgehen: Unwiderstehlich logisch-deduktiv und überzeugend erscheinen dann die Schlussfolgerungen, auf die Narby im Zuge seiner Recherchen stößt und die er hier in absolut packender Weise wiedergibt. Am Ende hat man das Gefühl, hinter den Vorhang des Geheimnisses der Schöpfung geblickt zu haben.
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